ENGLISCH Das Wirtschaftsstrafrecht hat in den letzten zehn Jahren einen großen Bedeutungszuwachs erfahren. Als relativ junges Rechtsgebiet, das als selbständige Disziplin erst in den 1970er Jahren anerkannt wurde, erfährt es derzeit eine umfassende Vertiefung und Ausdifferenzierung. Die aus den USA übernommene Compliance-Entwicklung hat den Anstrengungen für eine Prävention von Wirtschaftskriminalität zusätzlich Aufschwung gegeben. Die großen Wirtschaftsskandale wie die Korruptionsvorfälle bei Siemens oder die gefälschten Abgaswerte bei VW haben das Thema in die Unternehmen gebracht, aber auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Forschungsgruppe widmet mit sich mit dem Unternehmensstrafrecht, der Compliance, der Korruption und dem Kartellsanktionsrecht zentralen Fragestellungen des Wirtschaftsstrafrechts.

Ganz im Sinne einer „Gesamten Strafrechtswissenschaft“, wie sie in der klassischen Strafrechtsschule von Franz von Liszt begründet wurde, verbindet sich am Freiburger Max-Planck-Institut seit jeher dogmatische mit empirischer Forschung: Strafrecht ohne Kriminologie ist blind, Kriminologie ohne Strafrecht jedoch uferlos (Jescheck).

ENGLISCH Gerade in dem fast grenzenlosen und dogmatisch jungen Gebiet des Wirtschaftsstrafrechts besteht ein großes Bedürfnis sowohl nach Theoriebildung als auch nach fundierter empirischer Analyse der Phänomene. So verbindet die Forschungsgruppe dogmatische Grundlagenforschung mit empirischen Fragestellungen, etwa im Bereich Compliance bei der Umsetzung von Compliance-Programmen in deutschen Unternehmen oder bei Fragen der Stellung von Opfern durch Wirtschaftskriminalität.

Die Forschungsgruppe verbindet zudem wissenschaftlich fundierte Arbeit mit einer praktischen Weiterentwicklung des Rechtsgebiets. Dies bedeutet zum einen die Bearbeitung von an den Problemen und den Bedürfnissen der Praxis orientierten Projekten wie die Kommentierung des Ordnungswidrigkeitenrechts oder die des Kartellsanktionsrechts sowie regelmäßige Rezensionen der Rechtsprechung. Zum anderen umfasst es aber auch die Unterstützung der Praxis (ggf. mit weiteren Partnern) im nationalen und internationalen Wirtschaftsstrafrecht, insbesondere bei Fragen der Compliance, der internen Ermittlungen und der Prävention.