Rechtsvergleichung, ausländisches und supranationales Strafrecht

Strafrecht ist seit längerer Zeit keine allein nationale Angelegenheit mehr. Die fortgeschrittene Internationalisierung im Rahmen der Europäischen Union hat zum Entstehen eines Europäischen Strafrechts mit vielfältigen Einflüssen auf das nationale Recht geführt. Daneben prägt die Europäische Menschenrechtskonvention und die zugehörige umfangreiche Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg das nationale Recht. Hinzu kommen zahlreiche völkerrechtliche Vorgaben, etwa der Vereinten Nationen oder der OECD. Diese Einflüsse finden sich auch im wirtschaftlichen Bereich und verändern somit das (nationale) Wirtschaftsstrafrecht, sind aber auch bei Fragen der Kriminalisierung von Terrorismus oder Organisierter Kriminalität nicht zu unterschätzen. Europäisches und internationales Strafrecht bilden daher einen eigenen Schwerpunkt der Forschungsgruppe. Aktuelle Projekte erfassen das „Internationale und Europäische Wirtschaftsstrafrecht“, die Tagungsreihe zum Europäischen Strafrecht und das Netzwerk zu strafrechtlicher und quasi-strafrechtlicher Regulierung.

Große Bedeutung für die Fortbildung des nationalen Rechts und für die Entwicklung der supranationalen Vorgaben sowie ihrer nationalen Implementierung hat die Rechtsvergleichung. Diese steht durch die zunehmende Komplexität der einzelnen Rechtsregime, aber auch angesichts der Zahl der einzubeziehenden Länder vor einer beachtlichen Herausforderung. Die Forschungsgruppe verwendet die Rechtsvergleichung daher nicht nur als Forschungsansatz, sondern widmet sich auch der Weiterentwicklung der Methode der Rechtsvergleichung selbst.

Ein starkes internationales Netzwerk, auch über die AIDP (L’Association Internationale de Droit Pénal) und die SiDS (Société de Défense Sociale), ist für die erfolgreiche Durchführung von derartigen Projekten unentbehrlich. Mit der redaktionellen Betreuung des Auslandsteils der ZStW ist zudem die Einbindung in das älteste und renommierteste Publikationsorgan zur Strafrechtsvergleichung gegeben.